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Auch nach dem Beruf noch wirksam – Mehrsprachigkeit schützt unser Gedächtnis

Dass Mehrsprachigkeit das Gehirn im Alter fit hält ist schon länger bekannt – eine neue Studie zeigt nun, dass bei Menschen, die mehrere Sprachen beherrschen, sogar eine beginnende Demenz hinausgezögert werden kann. Dabei müssen die Sprachen aber nicht schon in jungen Jahren erlernt worden sein – auch wer erst im Alter anfängt, kann die Vorteile der Multilingualität noch nutzen.

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Langzeitstudie zeigt Demenzaufschub

Schon seit einigen Jahren wird beobachtet, dass Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, später seltener an Demenz erkranken als Gleichaltrige, die nur ihre Muttersprache beherrschen. Jedoch konnte man bisher nicht genau sagen, ob dies wirklich nur mit dem Spracherwerb selbst zu tun hat oder auch mit einem hohen Intelligenzquotienten (IQ), der die Menschen häufiger Sprachen erlernen lässt. Eine Langzeitstudie hat nun bewiesen, dass tatsächlich die Mehrsprachigkeit selbst den Beginn der Demenz aufschieben kann. Für die Studie waren bereits im Jahr 1947 über 850 Kinder im Alter von elf Jahren auf ihre Intelligenz getestet worden. Nun wurden die Teilnehmer erneut untersucht – auch hinsichtlich ihrer Sprachfähigkeit. Es zeigte sich, dass die Probanden, die im Laufe ihres Lebens zwei oder mehrere Sprachen erlernt haben, über bessere kognitive Fähigkeiten verfügten und seltener an einer Demenz erkrankt waren – unabhängig von ihrem IQ.

Kognitive Fähigkeiten werden trainiert

Doch woran liegt das? Zwar nutzen multilinguale Menschen dieselben Gehirnareale wie Einsprachige, doch tatsächlich sind die Sprachregionen bei mehrsprachigen Menschen deutlich besser ausgebildet. Betroffen ist dabei vor allem der anteriore cinguläre Kortex, ein Teil des Brocaschen Sprachzentrums in der Großhirnrinde. Dieses Areal ist aber nicht nur für die Sprachfähigkeit, sondern auch für die Entscheidungsprozesse zuständig und wird auch darum von mehrsprachigen Menschen besonders häufig genutzt, weil hier ausgewählt wird, in welcher Sprache das Wort gesprochen werden soll. Auf diesem Wege wird die Großhirnrinde trainiert, die Fähigkeiten lassen sich auch für wichtige Informationen nutzen und verhindern, dass sich der Mensch auf unwichtige Ablenkungsmanöver konzentriert.

Darum gilt: Je besser man eine Sprache spricht, desto besser ist auch die kognitive Kontrolle – und das hilft eben auch im Alter, wenn die grauen Zellen langsam schwächer werden. Durch das Erlernen von Sprachen wird also eine Art "mentale Reserve" hergestellt, die später Demenzsymptomen, Gedächtnisverlust und Verwirrtheit entgegenwirken kann. Aktiv gesprochen werden muss die Sprache übrigens nicht. Wer also lediglich für den Geschäftsalltag eine Sprache erlernt hat und diese im Alter überhaupt nicht mehr nutzt, kann trotzdem noch immer davon profitieren.

Es ist nie zu spät für eine neue Sprache

Für das Erlernen der Sprachen ist es übrigens nie zu spät: Die Studie zeigt auch, dass es nicht entscheidend ist, ob der Mensch schon zwei- oder mehrsprachig aufgewachsen ist oder erst im späten Erwachsenenalter zum Multilinguisten wurde. Dabei wird es besonders älteren Leute durch diverse Möglichkeiten im Internet, etwa durch Online-Videokurse in Kombination mit ausgebildeten Sprachtrainern, heute noch einfacher gemacht Sprachen zu lernen – so ist beispielsweise das Online-Sprachlernportal papagei.com gerade eine Kooperation mit IQ-Wissen eingegangen, einem Bildungsanbieter für Erwachsene.

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