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Die Midlife Crisis - Wahrheit oder Mythos

Oh je, die Midlife Crisis. Von den einen als quasi natürlicher Vorgang bezeichnet, von den anderen als Ratgeber-Mythos zahlreicher Pop- Psychologen verschrien. Was stimmt denn nun? Psychologisch ist das Phänomen um Unsicherheiten in der Lebensmitte nicht standardisiert, dass da irgendetwas existiert, ist aber auch nicht zu bestreiten. Als Paradebeispiele werden häufig männliche Karrieristen in ihren 40ern genommen. Was den Gesinnungswechsel und die grundsätzlichen Zweifel einer Midlife Crisis angeht, so betreffen sie aber Männer und Frauen, naja, falls es denn so etwas wie eine Krise in der Mitte des Lebens gibt.

Schon um 1900 stellte Psychologe Carl Gustav Jung eine bedeutende Wesensveränderung im Alter zwischen 35 und 40 fest. Der Analytiker Elliott Jaques gab dieser Veränderung in den 60ern dann den Namen Midlife Crisis. Dann, im Jahr 1974, fand der Begriff durch das Buch "In der Mitte des Lebens" der amerikanischen Autorin Gail Sheehy den Einzug in den Sprachgebrauch des Alltags.

Eine Ausrede war geboren. Eine Ausrede für Männer und Frauen, die plötzlich ihre Familie verlassen, ihre Jobs kündigen, um einem Traum nachzugehen oder einfach nur einen Sportwagen oder ein Motorrad kaufen. Oder handelt es sich seither um mehr als eine Ausrede? Tatsache ist, dass Menschen um die 40 realisieren, dass sie ab diesem Zeitpunkt bereits mehr Zeit im Leben verbracht haben, als sie noch verbringen werden.

Da fängt man an zu resümieren. Der Entwicklungspsychologe Erik H. Erikson stellt in seinem Stufenmodell ans Ende jeder psychosozialen Entwicklungsphase die Auseinandersetzung mit dem bisher Erreichten. Damit fängt man dann an, jede getroffene Entscheidung der letzten Jahrzehnte kritisch zu hinterfragen. Dumm nur, dass es sich dabei um bedeutende Entscheidungen wie die gewählte Karriere, den gefundenen Ehepartner oder Kinderwünsche handelt. Zusätzlich setzen sich besonders Frauen mit dem eigenen Verfall auseinander, da in der heutigen Gesellschaft fast unumstößlich gilt, sie würden mit der Reife an Attraktivität verlieren.

Somit wäre die Midlife Crisis nur eine der Krisen, die eigentlich zu jeder Zeit im Leben auftreten können. Nur paart sie sich hier eben mit dem Rückblick auf eine bereits vergangene Lebenshälfte und der Erkenntnis, dass der eigene Körper von hier an nur noch schwächer wird. Im besten Fall entdecken sich die Menschen und erfinden sich dann neu, stellen etwas mutiges auf die Beine und sind innovativ. Im schlimmsten Fall brechen Familien auseinander, ohne, dass die betreffende Person rausfinden konnte, wonach sie eigentlich suchte. Für alle Krisen-Geplagten gilt es immer im Hinterkopf zu behalten: Die größten Persönlichkeiten aus Kunst, Politik oder Wirtschaft waren erst in der zweiten Lebenshälfte richtig erfolgreich, hatten ihre besten Ideen mit 50 und älter. Man muss also positiv bleiben und sich geistig fit halten, egal ob es sie gibt oder nicht, die Midlife Crisis.

Quelle: Stern.de, Morgenwelt.de
Bild: mrhayata (Flickr)

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