Excite

Krankenkasse kündigte Krebspatienten

Darf man jemanden aus einer staatlichen Krankenkasse werfen? Noch dazu wenn er oder sie schwer krank ist? Thorsten Stetskamp aus Oberhausen ist genau das passiert, er stellte sich nämlich mit einem Tag Verspätung beim Arzt vor und seine Krankenkasse strich ihm nicht nur das Krankengeld, sondern wollte den Langzeiterkrankten glatt rauswerfen - und das gesetzlich gesehen sogar mit Recht!

Thorsten Stetskamp war verzweifelt: Er war im Sommer an Hautkrebs erkrankt und als wäre das nicht schlimm genug, stand er plötzlich auch noch kurz vor dem Ruin. Ihm ist das Krankengeld gestrichen worden und seine Krankenkasse, die Oberhausener Knappschaft, hat ihm die Mitgliedschaft aufgekündigt: "Ich stehe hier ohne einen Euro in der Tasche, kann keine Miete oder den Strom bezahlen", so gestand der 44-Jährige. Schuld an allem sei ein falsch datierter Krankenschein gewesen.

Sein Fall ist kein Einzelfall: Die knallharte Gesetzeslage schreibt dem Versicherer vor, im Falle einer Verspätung erst das Geld zu streichen und dem Versicherten dann zu kündigen. Und das Schicksal von Stetskamp ist ein wahres Lehrstück für Langzeiterkrankte: Im Juli des vergangenen Jahres wurde bei ihm schwarzer Hautkrebs diagnostiziert. Es folgten folgten Operationen und danach Reha-Aufenthalte. Sein Zeitvertrag in einer Sicherheitsfirma lief währenddessen aus, Geld bekam er von seiner Krankenkasse, der Knappschaft. "Am 27. November war mein letzter Krankheitstag. Ich rief meinen Arzt bereits montags an und bat um einen Termin am 27. November." erzählt Stetskamps. Der Arzt wurde am fraglichen Tag jedoch auswärts zu einem Notfall berufen und bat Stetskamp deshalb, einen Tag später bei ihm zu erscheinen.

Seine Krankenkasse reagierte prompt mit einem alarmierenden Brief: "Sie schrieb, ich habe mich einen Tag zu spät beim Arzt vorgestellt und bekomme nicht nur das Krankengeld gestrichen, sondern werde auch aus der Kasse geworfen." Der Oberhauser rief umgehend bei der Kasse und einem Anwalt an. Sogar sein Arzt reichte eine Bescheinigung nach, die besagte, dass der Fehler nicht bei Stetskamp gelegen hätte.

Eine Sprecherin der Knappschaft machte dem Krebskranken aber keine Hoffnung: "Reicht ein Patient seine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nur einen Tag zu spät ein, erlischt nach geltendem Sozialgesetzbuch sein Anspruch auf Krankengeld und somit die Mitgliedschaft umgehend. Uns sind da leider die Hände gebunden." Die Knappschaft gibt darüber hinaus sogar zu, dass dies kein Einzelfall sei. Die gesetzlichen Krankenkassen seien dazu verpflichtet: "Die Klausel steht auch in den Schreiben der Krankenkasse. Wir müssen von Patienten verlangen, dass sie auf solche Fristen achten." Geraten werden könne nur, immer rechtzeitig den Arzt aufzusuchen, um solche Verspätungen zu vermeiden.

Torsten Stetskamp hat am Ende aber Glück gehabt. Wegen des ärztlichen Entschuldigungsbriefes und aus Kulanz ist er von der Oberhausener Knappschaftsfiliale wieder aufgenommen worden und erhält nun doch weiter Krankengeld. Diese Wiederaufnahme sei aber ein Einzelfall, so die Sprecherin.

Deutschland - Excite Network Copyright ©1995 - 2017