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Musiktherapie: Schöne Töne gegen Schmerzen

Paul Potts Werbespot der Telekom hat es kürzlich auf den Punkt gebracht: Musik macht Gänsehaut und kann uns vor Rührung die Kehle zuschnüren oder uns zu Tränen rühren, das macht sich auch die Musiktherapie zu Nutzen. Ähnlich gutem Sex kann Musik die Ausschüttung eines Hormoncocktails bewirken, der mit körpereigenen Opiaten und Endorphinen das Belohnungssystem des Körpers aktiviert. Die Gänsehaut beim Musikhören wird in der Forschung daher auch "Hautorgasmus" genannt. Der Glückseffekt von ansprechender Musik wird auch in der Medizin immer mehr genutzt. Musiktherapie hat sich längst als alternative Heilmethode etabliert.

Ob man sie hört, selbst macht oder singt, Musik fördert unsere Wahrnehmung und Erinnerungsfähigkeit. Im Kleinhirn, wo Bewegungen und Gleichgewicht gesteuert werden, aber auch im limbischen System, dem Zentrum der Gefühle konnten Forscher positive Veränderungen feststellen, wenn ihre Probanten Musik hörten oder machten. Besonders das aktive Musizieren führt zu einer entspannten Selbstvergessenheit ähnlich einer Meditation. Studien haben deutlich gezeigt, dass Schmerzen weniger wahrgenommen werden, wenn Musik im Spiel ist. Patienten brauchen dann weniger oder gar keine Schmerzmittel. Weil bei der richtigen Musik weniger Stresshormone ausgeschüttet werden, können auch Beruhigungsmittel bei Operationen eingespart werden. Doch "bei der Auswahl sind die Hörgewohnheiten wichtig, da das Wohlgefühl für den Entspannungseffekt mitentscheidend ist", weiß Beatrix Evers-Grewe, Vorsitzende der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft.

Musiktherapie hat sich daher schon länger fest im medizinischen Alltag etabliert. Parkinson-Patienten können mithilfe des Taktes von bestimmten Musikstücken wieder leichter gehen lernen, weil der richtige Rhythmus den Biorhythmus des Körpers beeinflusst. Musik verbessert aber auch die Schwingungen zwischen Menschen. Das Bindungshormon Oxytocin intensiviert soziale Beziehungen. Aktives Musizieren ist jedoch um einiges wirkungsvoller. Eine Musiktherapie verspricht chronische Schmerzen wie Kopfschmerzen zu lindern und kann zur Behandlung von Depressionen oder Angststörungen eingesetzt werden. Mit Instrumenten können Patienten ihre Gefühle besser zum Ausdruck bringen und dabei ihr Selbstbewusstsein stärken. "Die Art, wie man Instrumente spielt, ist oft sehr eng verbunden mit der Art, wie man das Leben insgesamt angeht", sagt Beatrix Evers-Grewe.

Aber keine Angst: Man muss kein Musiker sein oder Noten lesen können, um an einer Musiktherapie teilzunehmen. Für Anfänger stehen etliche einfach zu spielende Saiten- und Schlaginstrumente zur Verfügung, am wichtigsten ist es, seine Ängste zu überwinden und Körperreaktionen zu erfahren. Durch regelmäßiges Singen, so konnte eine Studie der Uni Frankfurt zeigen, werden sogar mehr Immunglobulin-A-Antikörper produziert, die vor einer Atemwegsinfektion schützen. Zudem fördert selbst erzeugte Musik die psychische Widerstandskraft. Auch bei Sprachstörungen, etwa nach einem Schlaganfall, kann der Geschädigte durch eine spezielle Singtherapie namens "Melodic Intonation Therapy" wieder zur Sprache zurückfinden, obwohl Singen und Sprechen in zwei unterschiedlichen Hirnarealen verortet ist.

Auch wer an Schlafproblemen leidet, sollte abends ruhige Musik mit etwa 60 beats pro Minute hören, um in einen entspannenden Schlaf zu fallen. Besonders bei Stress empfiehlt es sich, langsam zu atmen und dabei leise zu Summen. Lautes Singen kann gegen schlechte Laune und kleinere Krankheiten wie Erkältungen helfen. Doch bei tief sitzenden und chronischen Störungen sollte man unbedingt einen professionellen Musiktherapeut kontaktieren, Informationen findet man bei der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft.

Quelle: brigitte.de, musiktherapie.de
Bild: musik-heilt.de

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