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Muttermilch aus dem Internet? Ärzte warnen vor den "Tauschbörsen"

  • Jaime Reina/AFP/Getty Images

Babys sollten mindestens sechs Monate mit Muttermilch gestillt werden, rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO), doch nicht alle Mütter können das, weshalb Muttermilch-Börsen im Internet Abhilfe schaffen wollen - Kinderärzte warnen vor erheblichen Risiken.

Muttermilch ist gut für das Baby, voller Nährstoffe in optimaler Zusammensetzung und wichtig für die gesunde Entwicklung des Kindes. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät Müttern, ihren Säugling mindestens sechs Monate mit Muttermilch zu stillen. Einige Mütter können das aus verschiedenen Gründen nicht und suchen Alternativen. Es gibt industriell hergestellte Säuglingsmilch und seit kurzem die erste deutsche Muttermilch-Börse im Internet.

Tanja Müller aus Hamburg, selbst zweifache Mutter, kennt die Schwierigkeiten vieler Mütter aus eigener Erfahrung: "Beim ersten Kind wollte es zunächst partout nicht mit dem Stillen klappen und beim zweiten produzierte ich viel zu viel Muttermilch." Vergeblich fand sie eine Lösung und ergriff mit ihrer Muttermilch-Börse selbst die Initiative. Angebot und Nachfrage sind da und für 4,80 Euro pro 100 Milliliter bietet etwa eine Mutter von fünf Kindern "steril abgepumpte Muttermilch" an. Sie schreibt, dass sie keine Krankheiten wie HIV, Hepatitis oder Syphilis hätte, nicht rauche und Drogen nehme sie auch nicht. Ein Glas Bier oder Wein am Tag kämen hin und wieder vor, mehr aber nicht. Trotzdem sind das selbst erstellte Angaben, eine unbedenkliche Garantie oder amtliche Gesundheitskontrolle gäbe es nicht.

Kinder- und Jugendärzte warnen ausdrücklich vor den Risiken. Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ) mahnt: "Spenderinnen können Medikamente oder Drogen nehmen, ansteckende Krankheiten wie AIDS oder Hepatitis haben." Fremde Muttermilch könne die Gesundheit und Entwicklung des Säuglings beeinträchtigen. Hinzu könne der Transport die Muttermilch ungenießbar machen.

Der Berufsverband gibt eine klare Empfehlung: "Frauen, die nicht stillen können, raten wir zu industriell hergestellter Säuglingsmilch. Diese kann ohne Bedenken gefüttert werden."

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